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Gebäudehülle

Kubatur

Eine kompakte Kubatur hat einen niedrigeren Wärmeverlust über die Hüllfläche pro Nutzfläche. Bei Innenhöfen und Einschnitten sollte immer die Frage gestellt werden, ob diese ohne Nachteile bei Lüftung und Hitzeschutz überdeckt oder geschlossen werden können. Das gilt auch für Zwischenräume von Gebäuden. 

Wegen des im Winter niedrigen Sonnenstandes nehmen umschlossene Innenhöfe je nach Glasanteil eher im Sommer zusätzliche Wärme auf. Sommerlicher Wärmeschutz und der Brandschutz sind sicherzustellen.

Statik

Bei der Vorbemessung sollte die Nutzung erneuerbarer Energien berücksichtigt werden. Auf dem Dach finden neben PV-Anlagen auch Lüftungsanlagen und Wärmepumpen mögliche Standorte. Eine Begrünung größerer Restflächen kann sinnvoll sein, solange sie beregnet werden können.

Material

Vorhandenes Material sollte, soweit schadstoff- und schadenfrei, weitgehend weiterverwendet werden. Abzubrechende Bauteile und Material können eventuell direkt vor Ort wieder verwendet oder recycelt werden, was Transport- und Materialaufwand reduziert. Bei zu beschaffenden Baustoffen sollten hohe Recyclinganteile verfolgt werden.

Bei neuen Bauteilen sind z.B. Beständigkeit und Zirkularität zu beachten. Hier wird in erdberührten Bauteilen weiterhin Beton eine große Rolle spielen, bei Fassaden und Dächern sind Holzwerkstoffe im Vorteil: Nachwachsend, CO2 speichernd, wiederverwendbar, tragend oder nichttragend, feuchteresorbierend. So kann in Bauteilen mit Holzfaserdämmung häufig auf eine Unterspannbahn verzichtet werden.

Ebenso verzichtet werden sollte auf Materialverbünde und verklebte Konstruktionen. Bei unvermeidbaren Verklebungen wie Dichtungen oder Böden sollten umweltfreundliche Produkte in der Ausschreibung bevorzugt werden.

Wärmeschutz

Zurzeit werden Wärmetransferkoeffizienten der opaken Gebäudehülle (U-Werte) um 0,1W/m²K als Optimum angesehen. Angestrebt werden sollten zumindest U-Werte zwischen 0,14 und 0,20 W/m²K, wie sie in BEG-Förderprogrammen gefordert werden. Mindeststandard bei der Wärmebrückenreduktion ist DIN 4108 Beiblatt 2, das seit 2019 fast 400 Anschlussdetails behandelt. Mit besserem Wärmeschutz wird gleichzeitig der Schutz vor Kondensationsschäden verbessert und ein Auskühlen der meist massiven Bauteile bei Nachtabsenkung und anderen Heizpausen verringert, wodurch die Anheizphase verkürzt wird. Wegen der geringeren Heizlast kann die Vorlauftemperatur gesenkt werden, was die Auswahl der möglichen Heizsysteme vergrößert.

Bei Hallengebäuden, zum Beispiel Sporthallen, ist der Einfluss der Luftschichtung zur Wärmedämmung umgekehrt proportional. Bei sehr guter Dämmung ist die Art der Beheizung von untergeordneter Bedeutung, was ebenso Möglichkeiten des Energieeinsatzes erweitert. Eine Heizung über Zuluft oder Deckenstrahlplatten ist effektiv und effizient möglich. Eine fehlende oder teure Dämmung der Bodenplatte kann durch eine Schottung des Erdreichs durch senkrechte Dämmplatten bis 1,50 m unterhalb der Fassade kompensiert werden (Wärmesee).

Zur Dämmung von Wänden und Dächern eignen sich zum Beispiel Zellulose oder Naturfaserdämmstoffe, z.B. Holzfaser auch als Wärmedämmverbundsystem. Holzfaserdämmstoffe zeichnen sich durch eine hohe Feuchtetoleranz aus, da die Fasern selbst Feuchtigkeit bis 20 % des Volumens schadlos aufnehmen können. Holzfaserdämmstoffe erreichen mittlerweile ähnlich geringe Wärmedurchgangswerte wie herkömmlicher Dämmstoffe aus Kunstschäumen oder Mineralwolle bei besserem Schall- und Hitzeschutz. Brandverhalten und Recyclingfähigkeit sind günstiger als bei Kunststoffen. Ammoniumsulfat oder Borsalz verhindern Schädlingsbefall und verbessern den Brandschutz. Eine Kombination mit Steinwolle, z.B. bei Brandriegeln, ist möglich.

Beim Einsatz solcher feuchtetoleranten Baustoffe kann in vielen Fällen auf eine Dampfbremse, somit Kunststoff und Verarbeitungsrisiko verzichtet werden. Darauf abgestimmte Platten oder Mörtelmassen wirken mit der Dämmung zusammen feuchteregulierend.

Wände

Im Gegensatz zu Außenwänden bleiben Innenwände zwischen Räumen, die beheizt, unbeheizt und gekühlt werden, häufig unbeachtet. Dabei sind zwar die Flächen und Temperaturunterschiede nicht so groß wie bei Außenwänden, haben aber je nach Geometrie einen bedeutenden Anteil am Energiefluss.

Bei Wänden im Erdreich kann eine Dämmung von außen im Rahmen von geplanten Abdichtungsmaßnahmen ergänzt werden. Alternativ ist eine Innendämmung bei richtiger Auslegung nicht viel anspruchsvoller als eine Außendämmung. Details wie Anschlüsse und Wärmebrücken erfordern sorgfältige Planung.

Sanierungsbedürftige Bestandswände sind oft aus Beton, Kalksandstein oder Leichtbeton und haben einen U-Wert von 0,6 bis 1 W/m²K. Eine Wärmedämmung mit 0,04 W/m²K erreicht auf einer Leichtbetonwand mit 0,6 W/m²K bei ca. 36 cm Stärke den optimalen Wert. Bei Steinwolle mit 0,032 W/m²K wären 30 cm notwendig, um das Optimum zu erreichen. Auch wenn nicht so viel Dämmstärke gebaut werden kann: Jeder Zentimeter zählt.

Bodenplatten

Sicherlich die anspruchsvollsten Kandidaten in Bezug auf Wärmedämmung und zweiseitige Feuchtebelastung. Druckfeste Dämmstoffe wie XPS unter Elementestrichen sind in beheizten Räumen wirksam. Hohlräume sind unbedingt zu vermeiden. Höhenversätze an Stufen lassen sich durch entsprechend hohe Aufbauten vermeiden, wenn die Raumhöhe gegeben ist. Alternativ ist eine Perimeterdämmung durch Simulation als gleichwertig nachweisbar.

Dächer

Eine größere Dämmstoffstärke ist im Dach oft unproblematisch. Ist die Dachstatik bei einem Flachdach ausreichend für ein Gründach, spielt der sommerliche Wärmeschutz der Dämmung kaum noch eine Rolle. Die Temperaturen unter einem Gründach, das als Retentionsdach beim Regenwassermanagement hilft, sind relativ niedrig. Ein Gründach hat darüber hinaus eine wärmedämmende Wirkung, die in der Energiebilanz berücksichtigt werden kann.

Zur Kombination von Gründächern mit PV-Anlagen liefert der Bundesverband Gebäudegrün wertvolle Hinweise und Auslegungshilfen.

Bei Verwendung einer zugelassenen Holzfaser-Unterdeckplatte kann bei Schrägdächern auf einen Kunststoff-Unterspannbahn verzichtet werden.

Sollte aus statischen Gründen eine effiziente Dämmung mit schweren Stoffen nicht möglich sein und auf leichten Kunststoff zurückgegriffen werden müssen, sind PU/PIR-Platten den Alternativen aus EPS und XPS vorzuziehen, da sie einen besseren Dämmwert und ein besseres Brandverhalten aufweisen.

Fenster

Außen- und Tageslichtbezug sind wichtige Faktoren für einen angenehmen Aufenthalt in Gebäuden. Dreifach verglaste Fenster sind Standard. Die gegenüber zweifacher Verglasung höheren Flügelgewichte sind Ursache für die Begrenzung der Flügelbreiten und Gesamtgrößen durch die Hersteller. Das kommt aber der Handhabung zugute, da schmalere Flügel bei gleichem Gewicht leichter geöffnet und geschlossen werden können und geöffnet ein geringeres Verletzungsrisiko aufweisen. Bei Sanierungen werden Wandstärken erhöht und die Fenster in die Dämmebene versetzt, so dass ein geöffneter Flügel möglicherweise nur wenig über die innere Fensterbank hinausragt.

Festverglasung kann größer sein, jedoch bei von innen vorgesehener Reinigung nicht mehr als 50 cm Breite je erreichbarer Seite.

Optimaler Wärme-, und Blendschutz bei Fenstern ist grundsätzlich elektrifiziert, automatisiert und außen montiert. Ein Abminderungsfaktor Fc von 0,15 ist anzustreben.

Im Scheibenzwischenraum arbeitende Jalousien sind langlebiger und wartungsarm, die Reparaturfähigkeit sollte aber beachtet werden.

Elektrochrome Fenster bieten ohne Mechanik ähnliche Funktionen, thermochrome Fenster benötigen nicht einmal Strom. Eine Besonderheit bei selektiv thermochromen Fenstern ist die Möglichkeit, nur den erheblichen unsichtbaren Infrarot-Anteil des Sonnenlichts und nur bei höheren Temperaturen zu sperren. So kann die Sicht unverändert bleiben und im Winter die Wärmestrahlung genutzt werden. Bei den Kosten nähern diese sich den mechanischen Varianten, so dass ein Vergleich lohnen kann.

Bei vorhandenen Laubbäumen in Einstrahlrichtung kann der Sonnenschutz in den unteren Geschossen vereinfacht oder verringert werden. Eine Simulation bietet Sicherheit.

Anforderungen an Fenster (Tageslichtversorgung, Blendschutz etc.) sind in der Norm DIN 5034 geregelt.

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